“Sie erhalten einen unbegrenzten Vorrat an Weißwürsten und soviele Kuckucksuhren, wie Sie tragen können, wenn Sie bei der Wahl für den Austragungsort der Fußball-WM 2006 für Deutschland stimmen.” So oder so ähnlich stand es auf dem bewusst diletantisch gestaltetem Zettel, den damals ein paar gewitzte “Titanic”-Redakteuere ausgewählten Deligierten in der Nacht vor der Wahl des Austragungsorts unter der Hotelzimmertür durchschoben. Die Aufregung war groß, doch verflog sie so schnell wie sie gekommen war, als klar wurde, dass es nur ein Scherz des Satiremagazins war (abgesehen von den weit über den rechten politischen Rand hinausragenden Drohanrufen, in denen die Redaktion noch wochenlang nach der Aktion auf dem Anrufbeantworter des Vaterlandverrats beschuldigt wurde).
Archive for Mai, 2011
Bälle sind keine Hedge-Fonds. Von Selbstverständlichkeiten im Fußball.
“Acht Tore für Deutschland,” so heisst es in der SZ vom 09.05. anlässlich des 8-1 Kantersieges der Bayern am Millerntor, was gleichbedeutend mit dem endgültigen Verdrängen des Underdogs Hannover 96 vom CL-Qualiplatz war. Und der dreifache Torschütze(nkönig) Mario Gomez wird folgerichtig auch “bei allem Respekt für Hannover” wie folgt zitiert: “Das ist gut für den deutschen Fußball, die größten Chancen hat international nach wie vor Bayern München”. Dass ein Stürmer der Mannschaft, die nächstes Jahr so viel Gutes für Fußballdeutschland tun wird, nachdem man sie nun endlich lässt, dies sagt, ist naheliegend. Doch natürlich hat Herr Gomez keine Exklusivrechte auf diesen Gedanken. Im Gegenteil. Die meisten Kommentatoren und Fans stimmen in diesem Punkt seit Jahren gebetsmühlenartig in das Lied von der UEFA-Fünfjahreswertung mit ein, wenn es darum geht, wer in den Europacup soll. Sogar in der niedersächsischen Landeskapitale war man nicht vor Unkenrufen bezüglich des für Deutschland schädlichen “Freilos” Hannover gefeit – auch von 96-Fans.
Und die Argumente liegen in der Tat (scheinbar) auf der Hand: Ist es nötig für die Fünfjahreswertung, dass deutsche Mannschaften weit kommen? Absolut. Ist es wahrscheinlicher, dass die Bayern weiter kommen als Hannover (oder Leverkusen, je nachdem, was am Samstag passiert) Sicher. Doppelpunkt Bayern.
Doch, um es auf den Punkt zu fischern: I’m not convinced. Wie kurzsichtig und zynisch ist eine Sicht auf Fußball, die den genannten Umstand als zweifelsohne richtig ansieht und die Angelegenheit damit für geklärt ansieht?
Trash Talk im Fußball – die Methode Mourinho
In einer Vorrundenpartie gegen Ende der großen Karriere des André Agassi sah es für den Mann mit dem Entengang schlecht aus. Ein talentierter Teenager machte ihm ernsthafte Probleme und war kurz davor, einen Überraschungserfolg gegen die Tennislegende zu erringen. Beim Seitenwechsel soll Agassi ihn dann ganz beiläufig zu seinen Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht gefragt haben und ob er denn überhaupt schon “Haare am Sack” habe. Der Spielverlauf kippte und Agassi zog in die nächste Runde ein.
Nur so am Rande…
…dass einstudierte Torjubel etwas Lächerliches an sich haben ist wahrscheinlich eine weit verbreitete Meinung. Das meine ich nicht nur, weil sie meistens mit dem Losreißen von den gratulierenden Mitspielern beginnen und damit den puren Egoismus des Profidaseins unterstreichen. Manchmal ist und bleibt es einfach fehlplatziert und man fragt sich: Soll man sich nun an den Jubel oder an das Tor erinnern?
Ich möchte hier nur kurz an meinen persönlichen Favoriten auf der Negativskala, die Friedenstaube von Lucio erinnern, die er aus seinen Händen fliegen ließ…
Man sollte aber nicht vergessen, dass es auch Jubel gab, die es bis in die Fußballsimulation PES geschafft haben. Hierbei ist das beidhändige Wuscheln durch die imposante Lockenpracht von Pablo Aimar zu nennen. (er hat inzwischen keine Locken mehr)
Das Hang-Loose-Zeichen, von Ronaldinho in die Fußballwelt eingebracht, kam meines Erachtens aber lässig rüber, weil es irgendwie zum Typen passte. Die Kopie der Bewegung, vorgeführt von Norwegens aufgehendem Hanballstars Lie Hansen wirkte dagegen so elegant und steif wie eben der weiße Durchschnittsfußballer beim Samba-Tanz an der Eckfahne.
Neuerdings regen mich diese Jubel aber gar nicht mehr so sehr auf, es sind vielmehr andere Gesten die zunehmend in das Spiel Einzug halten. Das Beklatschen einer Flanke die auf Höhe des 3. Ranges über den anvisierten Spieler hinweg fliegt wurde ja schon von Klinsmann verboten, wirkt aber zumindest als Motivation für den Passgeber. Der in ähnlicher Situation verwendete hochgereckte Daumen geht ja eigentlich auch noch gerade, aber warum heben die Spieler immer wieder reflexartig den Arm, wenn der Ball an der Seitenlinie ins Aus geht? Wohl gemerkt alle, die in dem Zweikampf verwickelt waren. Ich hoffe nicht, dass jemand glaubt den Schiri damit beeinflussen zu können, aber sei es drum.
Womit wir uns aber auf die Grenze des Aushaltbaren bewegen, ist dagegen der Daumen zum Schiri, wenn ein Foul gepfiffen wird. Hierbei recken wiederum oftmals der Gefoulte und der Gegner den Daumen hoch. Da frag ich mich, was das soll? Soll es heißen: „Ja ich habe gefoult, gut gesehen?“ Wozu das Ganze? Nebenbei bemerkt gibt es diesen Daumen vom Foulenden aber nur, wenn es keine gelbe Karte gegen ihn gibt.
Na ja, vielleicht muss heutzutage alles gedaumt werden, kann ja sein.
In der Daumenliga hat aber Arjen Robben am Wochenende für mich den Vogel abgeschossen. Es gab für einen nicht erfolgreichen Passversuch des Mitspielers nicht nur einen einzelnen Daumen, nein er benutzte gleich Beide (wobei eine Hand mit einem „ich-bin-zwar-verletzt-spiele-aber-trotzdem-Verband“ ausgestattet war). Damit aber nicht genug. Wie in einem amerikanischen Blockbuster wurden die Knarren (Daumen) nicht senkrecht in die Luft gehalten, sondern quer. Warum? Ich weiss es nicht. Vielleicht, weil es cooler ist?
Also, damit wollte ich nur los werden, dass für mich der quere Doppeldaumen die Krönung der Lächerlichkeit auf der Fußballbühne ist.
Einfach mal aufs Bolzen konzentrieren wäre mir da lieber….

