„Begleitmänner” beim FC Zürich: Hört auf damit!

Premiere gestern Abend im Letzigrund-Stadion: Bei der Champions League Partie der Frauen zwischen dem FCZ und dem kroatischen Team aus Osijek marschierten „Begleitmänner“ mit den Spielerinnen auf das Feld. Ein gelungener PR-Gag? Nein, im Gegenteil – es ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten! Angeblich sollen sich über 1’500 Bewerber gemeldet haben, die gerne dabei gewesen wären. Das Bild war skurril: Hand in Hand mit den Spielerinnen, trotteten die ausgesuchten „Begleitmänner“ auf den Rasen, gewisse mit Bierbäuchen, andere bereits mit grauem Haar. Sicherlich: Frauenfußball bekommt noch nicht ausreichend Aufmerksamkeit. Das Stadion, das selbst bei den Männern in Zürich kaum zur Hälfte gefüllt wird, wirkt bei den Frauen noch geisterhafter. Doch diese Aktion war hohl und wirft ein falsches Bild auf den Frauenfußball.
Gerne gebe ich zu: Als Junge wäre es mein Traum gewesen, einmal beim Einlauf eines großen Spiels dabei gewesen zu sein. Länderspiel, Champions League, Scheinwerferlicht, der Geräuschpegel – aber vor allem: Die Nähe zu den Spielern. Einmal im Tunnel zu sein, die Stars zu berühren, zu spüren, wie sich dieser Moment anfühlt. Gänsehaut. Nervosität, Sekunden vor einem Anpfiff. Einlaufkids gab es zu meiner Zeit nicht. Dennoch hatte ich ein vergleichbares „once in a lifetime experience“: Im August 1990 schlich ich mich bei einem Freundschaftsspiel, das die AC Milan in der Schweiz ausgetragen hatte, an Marco van Basten ran. Er wurde ausgewechselt, saß auf der Bank und ging dann frühzeitig in die Kabine. Das war meine Chance: Ich huschte an einem Sicherheitsmann vorbei und näherte mich dem damaligen Superstar. Dieser nahm sich ein paar Sekunden Zeit, begrüßte mich und schrieb mir ein Autogramm auf eine Karte, die ich bereits zu Hause mit einem WM-Panini-Bild von ihm vorbereitet hatte. Ich war verzaubert. Ich war stolz. Und ich konnte mich vor Freude kaum erholen.
Wie geht es wohl den elf „Begleitmänner”, die gestern im Letzigrund eingelaufen sind? Werden sie auch noch jahrelang von diesem Erlebnis schwärmen? Wohl kaum. Es sind Männer und keine Kids. Die Vorbildfunktion fällt weg. Das Rollenverständnis ist anders als bei Einlaufkids. Es wirkt komisch, ja fremdschämend. „Spezieller Auftritt“, titelt der „Tages-Anzeiger“ heute im Bericht über das Spiel. Dies ist grob untertrieben!
Was denkst du über “Begleitmänner” bei Fußballspielen – coole Sache oder Bullshit-Idee? Nutze die Kommentarfunktion und teile uns deine Meinung mit!
Nachtrag:
- Hier der Link zu einem TV-Beitrag vom Schweizer Radio und Fernsehen über die “Begleitmänner” gestern Abend
- Und hier geht es zu einem Artikel der Aargauer Zeitung, der noch weitere
bessereBilder zeigt von den “Begleitmännern”
Bullshit-Idee, ohne Frage! Wenn wir bis dato auf einem langsamen, aber guten Weg zur Gleichberechtigung von Männer- und Frauenfußball waren, so versetzt diese Aktion den Sport um einige Jahrzehnte zurück!
Danke, für deine Meinung, Emmy. Für alle anderen hier noch der Hinweis zur interessanten Plattform, die von Emmy vertreten wird: http://nachhaltigkeit-im-fussball.de/
Gäbe es den Ausdruck Fremdschämen nicht schon, man müsste ihn hierfür erfinden. Ich vermute, dass die Spielerinnen am liebsten im Boden versunken wären. Welcher Funktionär kommt auf solch weltfremde Ideen???
ein sportfunktionär. nimm irgendeinen. sind ja immer greise, weltfremde männer ohne jeglichen bezug zur materie.
NEIN !
Die Idee dazu hatte sinnigerweise eine Marketingagentur mit dem kreativen Namen “Freundliche Grüsse”. Heute ist im Branchen-Portal Persönlich ein Interview dazu veröffentlicht worden. Siehe http://www.persoenlich.com/news/werbung/freundliche-gruesse-jeder-mann-will-mit-auf-den-rasen-320905#.VEDWWIusWfc
Bedenklich ist die Aussage, dass UEFA und FIFA die Aktion der “Begleitmänner” toll fanden und unterstützt haben. Motto: Es spielt keine Rolle, wer du bist, ob Mann, Frau oder Kind. Egal in welcher Reihenfolge und Rolle: Fussball ist für alle da.
Ich finde diese Haltung unter geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten problematisch.